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Was ist ein Rollenspiel?

Grundregelwerk Seite 7.

Ein Rollenspiel ist eine interaktive Geschichte, bei der ein Spieler – der Spielleiter (SL) – das Szenario vorbereitet und Herausforderungen präsentiert. Die anderen Spieler übernehmen die Rollen von Spielercharakteren (SC) und stellen sich diesen Herausforderungen. Gefahren lauern in Gestalt von Monstern, tückischen Fallen und den Plänen und Umtrieben unterschiedlicher Gegner; dazu kommen politische Intrigen, Rätsel, zwischenmenschliche Dramen und vieles, vieles mehr.

Am Spiel nehmen in der Regel vier bis sieben Spieler teil, von denen einer als der Spielleiter der Gruppe fungiert. Der SL bereitet die Spielwelt und Handlung vor, präsentiert die Herausforderungen und stellt Gegner, Verbündete und sonstige Figuren dar. Da jede Szene zur nächsten führt, trägt jeder Spieler zur Handlung bei, indem er auf die präsentierten Situationen entsprechend der Persönlichkeit und Fähigkeiten seines Charakters reagiert. Die Verbindung aus Spielwerten und Würfeln fügt ein Zufallselement hinzu und bestimmt, ob die Charaktere bei versuchten Handlungen Erfolg haben oder scheitern.

DIE ALLERWICHTIGSTE REGEL

Die Allerwichtigste Regel von Pathfinder lautet: Es ist euer Spiel. Nutzt es, um die Geschichten zu erzählen, die ihr erzählen wollt. Spielt die Charaktere, die ihr spielen wollt, und erlebt aufregende Abenteuer mit Freunden. Sollte eine Regel eurem Spielspaß im Weg stehen und die Gruppe dem zustimmen, könnt ihr diese Regel ändern oder ignorieren, damit alles zu eurer Geschichte passt. Das wahre Ziel des Spieles besteht darin, dass alle ihren Spaß haben.

Der Spielverlauf

Pathfinder wird in Spielsitzungen gespielt, bei denen die Spieler persönlich oder online für ein paar Stunden zusammenkommen, um das Spiel zu spielen. Eine komplette Pathfinder- Geschichte kann aus einer einzelnen Spielsitzung (auch als „One-Shot“ bezeichnet) bestehen oder sich über mehrere Sitzungen erstrecken und eine Kampagne bilden, die Monate oder gar Jahre währt. So es dem Spielleiter gefällt die Geschichte zu erzählen und die Spieler unterhalten werden, kann das Spiel so lange währen, wie ihr wollt.

Eine Spielsitzung kann hauptsächlich aus Action bestehen, bei denen die Spielercharaktere mit abscheulichen Bestien kämpfen, aus teuflischen Fallen entkommen und heroische Questen vollenden. Ebenso könnte sie auch darin bestehen, mit einem Baron um die Genehmigung zur Errichtung einer Festung zu verhandeln, eine Armee aus Frostriesen zu infiltrieren oder mit einem Engel um eine Haarsträhne zu feilschen, die für ein Elixier zur Wiederbelebung eines ermordeten Freundes benötigt wird. Letztendlich liegt es bei dir und deiner Gruppe zu bestimmen, welche Art von Spiel ihr spielen wollt; seien es Gewölbeerkundungen, komplexe politische Dramen oder irgendetwas dazwischen.

Die Spieler

Jeder Teilnehmer einer Pathfinder-Spielrunde ist ein Mitspieler, auch der Spielleiter (SL). Aus Gründen der Einfachheit nutzen wir „Spieler“ aber für alle Beteiligten mit Ausnahme des Spielleiters. Ehe das Spiel beginnt, erfinden die Spieler Hintergrundgeschichten und Persönlichkeiten für ihre Charaktere. Sie nutzen die Regeln, um die Spielwerte, Fähigkeiten, Stärken und Schwächen ihrer Charaktere zu bestimmen. Der SL könnte die während der Charaktererschaffung verfügbaren Optionen einschränken. Erörtert die Beschränkungen bereits im Vorfeld unter den Spielern, damit alle interessante Helden erschaffen können. Im Allgemeinen gibt es für Charakterkonzepte nur diese Schranken: die Vorstellungskraft der Spieler und die Richtlinien des Spielleiters.

Während des Spieles beschreiben die Spieler die Handlungen ihrer Charaktere, setzen die Fähigkeiten ihrer Charaktere ein und würfeln, ob ihre Handlungen Erfolg haben. Der SL bestimmt den Ausgang dieser Handlungen. Manche Spieler lieben es, ihre Rollen zu spielen und sich so zu verhalten wie ihre Charaktere, während andere lieber die Handlungen ihrer Figuren beschreiben, als würden sie eine Geschichte erzählen. Tut, was auch immer euch am besten gefällt! Sollte dies dein erster Kontakt mit einem Rollenspiel sein, empfehlen wir, dass du zunächst die Rolle eines Spielers übernimmst, um dich mit den Regeln und der Spielwelt vertraut zu machen.

WÜRFEL

Pathfinder erfordert einen Satz verschiedener Würfel. Jeder Würfel besitzt eine andere Anzahl an Seiten – vier, sechs, acht oder mehr. Wenn diese Würfel im Text erwähnt werden, sprechen wir von „W“, gefolgt von der Seitenanzahl. Pathfinder verwendet vierseitige Würfel (W4), sechsseitige (W6), achtseitige (W8), zehnseitige (W10), zwölfseitige (W12) und zwanzigseitige Würfel (W20). Falls du mehrere Würfel verwenden sollst, besagt die Zahl vor dem „W“, wie viele. „4W6“ bedeutet z.B., dass du vier sechsseitige Würfel verwendest. „W⁠%“ besagt, dass du eine Zahl von 1 bis 100 generieren sollst, indem du zwei zehnseitige Würfel (am besten unterschiedlicher Farben) nutzt und dabei den einen für die Zehnerstelle und den anderen für die Einerstelle verwendest.

Der Spielleiter

Während die anderen Spieler ihre Charaktere erschaffen und kontrollieren, kontrolliert der Spielleiter (oder SL) die Handlung und die Welt. Der SL beschreibt alle Situationen, mit denen Spielercharaktere konfrontiert werden, bedenkt, wie die Taten der Spielercharaktere die Handlung beeinflussen, und interpretiert dabei die Regeln.

Der SL kann ein neues Abenteuer erschaffen, indem er eine Geschichte entwickelt, Monster auswählt und ihnen Schätze zuweist. Ebenso kann er auf ein veröffentlichtes Abenteuer zurückgreifen, dieses gegebenenfalls als Grundlage der Spielsitzung nutzen und an die individuellen Spieler und den Spielstil der Gruppe anpassen. Manche SL leiten Spiele, welche eigene und veröffentlichte Inhalte kombinieren und so neue Geschichten schaffen.

Die Spielleiterposition ist eine Herausforderung, die dir abverlangt, die Regeln zu interpretieren, die Geschichte zu erzählen und mit anderen Verantwortungen zu jonglieren. All die zum Leiten eines guten Spieles erforderliche Arbeit kann aber auch sehr belohnend und den Aufwand wert sein. Solltest du erstmals ein Spiel leiten, so behalte im Blick, dass nur eines wichtig ist: dass alle Spaß an der Sache haben – du selbst eingeschlossen. Alles andere kommt mit Übung und Geduld von selbst.

Das Spiel ist für alle da

Egal ob du der SL oder ein Spieler bist, die Teilnahme an einem Rollenspiel umfasst einen Gesellschaftsvertrag: Alle kommen zusammen, um Spaß beim Erzählen einer Geschichte zu haben. Für viele ist das Rollenspiel eine Möglichkeit, den Problemen des Alltages zu entkommen. Ignoriere niemanden am Tisch und bedenke, was die anderen aus dem Spiel gewinnen wollen, so dass alle Spaß haben können.

Wenn eine Gruppe zum ersten Mal zusammenkommt, solltet ihr darüber sprechen, was ihr am Spieltisch erleben wollt, aber auch, welche Themen eher tabu sind. Jeder sollte wissen, dass Elemente ins Spiel kommen könnten, die dem einen oder anderen Spieler unangenehm oder sogar verhasst sind, und jeder sollte darin zustimmen, diese Grenzen während des Spieles zu respektieren.

Pathfinder ist ein Spiel für jeden – unabhängig von Alter, Geschlecht, Volkszugehörigkeit oder Ethnie, Religion, sexueller Orientierung, Lebenserfahrungen oder was auch immer seine oder ihre Identität mitdefiniert. Es gehört zur Verantwortung aller Spieler, nicht nur des SL, dafür zu sorgen, dass am Spieltisch alle willkommen sind und Spaß haben.

Spielwerkzeuge

Neben diesem Buch gibt es weitere Dinge, die nötig sind, um Pathfinder zu spielen – du findest sie in Spielgeschäften oder online.

Charakterbogen: Jeder Spieler benötigt einen Charakterbogen, um seinen Charakter zu erschaffen, und aufzuzeichnen, was mit diesem Charakter während des Spiels passiert. Du findest einen Charakterbogen zum Kopieren im hinteren Bereich dieses Buches oder unter www.ulisses-spiele.de im Downloadbereich.

Würfel: Die Spieler und der SL benötigen wenigstens einen Satz an Spielwürfeln. Die meisten haben ihre eigenen Würfel. Am häufigsten sind sechsseitige Würfel. Du findest alle nötigen Würfel online, in Spielwarenläden und natürlich in Rollenspielgeschäften. Mehr zu den verschiedenen Arten von Würfeln und ihrer Verwendung findest du in der Randspalte auf Seite 7.

Abenteuer: Jede Spielrunde benötigt ein Abenteuer zum Spielen, egal ob es sich der SL ausdenkt oder ein veröffentlichtes Abenteuer verwendet.

Monsterhandbuch: Von furchtbaren Drachen bis zu Unfug treibenden Gremlins gibt es zahlreiche Monster und Gefahren, mit denen die SC es zu tun bekommen könnten. Jedes Wesen besitzt seine eigenen Spielwerte und Fähigkeiten, die du z.B. im Monsterhandbuch findest.

Bodenpläne und Miniaturen: Es fällt zuweilen schwer, sich im Chaos des Kampfes zurechtzufinden. Daher verwenden viele Gruppen Bodenpläne, um das Schlachtfeld abzubilden. Diese Bodenpläne sind mit einem Raster bedruckt, wobei jedes Kästchen eine Seitenlänge von 2,5 cm hat und ein Feld von 1,50 m- Seitenlänge innerhalb der Spielwelt repräsentiert. Miniaturen, Pappaufsteller und andere Spielsteine werden zur Darstellung der Charaktere genutzt, sowie der Gegner, mit denen sie es zu tun bekommen.

Zusätzliche Hilfsmittel: Es gibt weitere Accessoires, die du deinem Spiel hinzufügen kannst, um das Erlebnis zu untermalen, seien es Werkzeuge zur Nachverfolgung der Initiative, Referenzkarten, um Regelelemente rasch zur Hand zu haben, digitale Werkzeuge zur Charaktererschaffung oder auch Hintergrundmusik und Soundeffekte.